Falscher Fisch

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Falscher Fisch
Falscher Fisch
Zutatenmenge für: 1 großer Kuchen (12-24 Personen)
Zeitbedarf: Zubereitung: 30 Minuten + Backzeit: 45–60 Minuten
Hinweise: Enthält Alkohol: nein Vegetarisch
Schwierigkeitsgrad: leicht bis mittel

Falscher Fisch (ndl.: Valse vis) ist ein mittelalterliches (1456), niederländisches Apfelgebäck für die Fastenzeit. Was auf den Tisch kam, bestimmte im Mittelalter die katholische Kirche. Jede Woche gab es mindestens einen Tag und manchmal auch drei oder vier Tage, an denen Fleisch verboten war. Der Freitag war bis ins letzte Jahrhundert für Katholiken ein Fischtag. Auch die vier Wochen vor Weihnachten und die sechs Wochen zwischen Karneval und Ostern waren eine lange Zeit der Enthaltsamkeit. Insgesamt durfte die christliche Bevölkerung im Mittelalter in gut der Hälfte des Jahres kein Fleisch essen (soweit sie es sich überhaupt leisten konnte).

Fleisch, vor allem „rotes Fleisch“, hatte der mittelalterlichen Medizin zufolge eine „erhitzende“ Auswirkung auf die menschliche Beschaffenheit. Es ging dabei vor allem um fleischliche Gelüste. Die mittelalterlichen Theologen meinten, dass die Sünden unseres Körpers (unseres „Fleisches“) alles mit dem Verzehr von Fleisch zu tun hatte. Fisch soll dagegen einen „kühlenden“ Effekt auf den menschlichen Geist und sein Konsum deshalb eine abbremsende Wirkung auf die sündigen Neigungen gehabt haben.

In der Fastenzeit zwischen Karneval und Ostern waren die Speisevorschriften besonders streng: nicht nur Fleisch war verboten, sondern auch andere tierische Produkte wie Milch und Eier. Da diese Fastenzeit zum Ende des Winters stattfand, war sie besonders hart. Es gab kaum frisches Gemüse und Obst, und die Vorräte waren erschöpft. Die damalige Kost bestand aus Brot und Brei aus Getreide oder Hülsenfrüchten sowie Fisch, Zwiebeln, Porree, Kohl, alten Äpfeln, Nüssen und für die, die es sich leisten konnten, Mandeln und Südfrüchte.

Diese Apfelpastete bot eine willkommene Abwechslung zum Fisch. Sie ist herzhafter als der Durchschnittsapfelkuchen von heute, vor allem, wenn Pfefferkuchen statt Ingwer verwendet wird.

Zutaten[Bearbeiten]

Für den Teig[Bearbeiten]

Für die Füllung[Bearbeiten]

Kochgeschirr[Bearbeiten]

Zubereitung[Bearbeiten]

Apfelfüllung[Bearbeiten]

  • Alle Zutaten für den Teig sorgfältig miteinander vermischen.
  • Eventuell muss Mehl oder Wasser zugefügt werden, je nachdem, ob der Teig zu klebrig oder zu körnig bleibt.
  • Kneten, bis ein homogener Teig entstanden ist: glatt, elastisch und nicht klebend.
  • Mit einem ungebleichten Küchentuch abdecken und eine Stunde im Kühlschrank ruhen lassen.
  • Eine halbe Stunde vor dem Ausrollen wieder aus dem Kühlschrank nehmen.
  • Der Safran gibt dem Teig, wenn er etwas bleich bleibt, eine schöne Farbe.
  • Die Äpfel schälen und entkernen, grob raspeln und mit den übrigen Zutaten vermischen.

Fertigstellung[Bearbeiten]

  • Den Backofen auf 200 °C vorheizen.
  • Den Teig in zwei Portionen teilen.
  • Den ersten Teil zu einem Oval ausrollen und daraus die Form eines Fischesschneiden..
  • Der „Fisch“ sollte sofort auf das Backblech gelegt werden, dann muss er nachher nicht versetzt werden.
  • Den Teiglappen mit etwas Paniermehl oder Mehl bestreuen.
  • Die Füllung auf den „Fisch“ legen und dabei Abstand von den Rändern halten.
  • Den zweiten Teil ebenfalls zu einem Oval ausrollen und zu einem kleineren Fisch zurecht schneiden.
  • Zwei runde Löcher in den oberen Teiglappen machen: einen an der Stelle des Auges und einen dort, wo der Schwanz angebracht wird.
  • Den zweiten Teiglappen über die Füllung legen und den Rand des unteren „Fisches“ nach oben über den Deckel falten.
  • Das Ganze fest andrücken.
  • An das hintere Ende einen Schwanz formen.
  • Wer möchte, kann dem „Falschen Fisch“ mit Teigresten oder geschabten Mandeln Kiemen und Schuppen machen.
  • Den Fisch in die Mitte des Backofens platzieren und in 45–60 Minuten fertig backen.

Servieren[Bearbeiten]

  • Der „Fisch“ kann sowohl warm als auch kalt serviert werden.
  • Im 15. Jahrhundert kam dieser „Fisch“ zusammen mit den echten Fischen auf den Tisch.

Beilage[Bearbeiten]

Varianten[Bearbeiten]

Referenzen[Bearbeiten]

coquinaria.nl (Originaltext des Rezepts und kulturhistorische Einleitung) niederländisch, englisch